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Pressetexte

11.07.2010
Hohner Museum - Reportage

Der wohl schnellste Musikkurs der Welt

Deutsches Harmonika Museum gewährt ungeahnte Einblicke in Musik- und Marketing-Geschichte

Die weltweit größte Sammlung an Harmonika-Instrumenten, echte Lebensretter und Weltraumpioniere: Das Deutsche Harmonika Museum in Trossingen, Landkreis Tuttlingen, hat mehr zu bieten als 25.000 verschiedene Instrumente. Darüber hinaus gibt es den wohl schnellsten Musik-Kurs der Welt: In nur 45 Minuten soll jeder die Grundzüge des Mundharmonika-Spielens erlernen können. Fünf Stuttgarter haben den Versuch gewagt.

Neugierig, skeptisch und ein wenig aufgeregt wartet die 5-köpfige Stuttgarter Reisegruppe auf die Öffnung des Deutschen Harmonika-Museums. „Wir wollten unseren Betriebsausflug zum echten Gemeinschaftserlebnis machen“, verrät Bernd, Büroangestellter aus Möhringen. Weil die Truppe ausschließlich aus Musikfans besteht, kam die Idee, ins nahe gelegene Trossingen zu fahren, der Welthauptstadt der Mundharmonika. „Sehr gespannt sind wir auch auf den Kurs, in dem uns eine ehemalige Mundharmonika-Weltmeisterin in nur 45 Minuten das Spielen beibringen möchte. Angeblich brauchen wir hierfür nicht einmal irgendwelche Vorkenntnisse.“ Doch bevor es mit dem praktischen Teil des Ausflugs losgeht, führt Museumsleiter Martin Häffner die Ausflügler durch die spannende Welt der Harmonikainstrumente.

Von den Beatles bis zu Aerosmith

Rund 3.000 verschiedene Mundharmonikas und andere Exponate, wie zum Beispiel das mit 1,23 Meter Höhe größte Knopfakkordeon der Welt, umfasst die Dauerausstellung. Und wer jetzt denkt, die Stücke seien nur für Vertreter der volkstümlichen Fraktion von Interesse, der outet sich schnell als echter Banause. Von Pop, Blues bis hin zu Hardrock, kennt nahezu jeder Musikstil ein Idol, das mithilfe einer Trossinger Mundharmonika millionenfach Tonträger verkaufte: die Beatles, Stevie Wonder, Steven Tyler von Aerosmith und unzählige weitere Stars der Branche schworen oder schwören noch heute auf die schwäbischen Qualitätsprodukte. Die Musikbox im Foyer des Museums liefert den Beweis. Bestückt mit einer Art „Best of Mundharmonika“ entdeckt so ziemlich jeder Museumsbesucher den einen oder anderen Lieblingssong. „Der eigentliche Siegeszug der Trossinger Mundharmonika begann aber schon deutlich früher“, erklärt Museumsleiter Häffner. „Im Zuge der Auswanderungswellen nach Übersee Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das handliche Instrument zum Verkaufsschlager.“ Viele Neu-Amerikaner wollten ein Stück Heimat mit in die Ferne nehmen. Andere Instrumente waren hierfür schlichtweg zu groß und zu teuer. Mundharmonika-Spielen wurde zum Massenphänomen. Ein riesiger Markt entstand, so dass die Trossinger Fabrikanten mehrere Millionen Mundharmonikas exportieren konnten. Vor allem Matthias Hohner erkannte die Zeichen der Zeit und avancierte binnen weniger Jahrzehnte zum Weltmarktführer. Seine Nachfolger konnten diese Position später festigen und nahezu monopolartig ausbauen.

Hochkarätige PR-Strategen

Ausschlaggebend war die mitunter selbst nach heutigen Maßstäben höchst clevere Marketing-Strategie, mit der die Firma Hohner Anteile eroberte und Konkurrenten verdrängte. Filme, Plakate, aber auch historische Verpackungsmaterialien belegen das eindrucksvolle Werbemanagement. „Man ging gezielt auf die Bedürfnisse und Wünsche der Japaner, Amerikaner und sogar der Afrikaner ein“, belegt Häffner anhand der Exponate. „Darüber hinaus schickte man unter anderem den Soldaten beim Boxeraufstand in China kostenfrei Mundharmonikas. Die PR-Aktion wurde natürlich postwendend in den einschlägigen Verkaufskatalogen dokumentiert.“ Andere Hersteller wiederum fertigten bumerangförmige Instrumente für die australischen Käufer oder bananenförmige, für den kleinen Gag zwischendurch. Die ins Museum integrierte Filmstation, eine Art Minikino, zeigt amüsante Kostproben der damaligen PR-Filme und Werbespots. Doch das „Klavier des kleinen Mannes“, wie die Mundharmonika liebevoll genannt wurde, hatte noch ganz andere Qualitäten. Manchem Soldaten hat das Instrument in den Kriegsjahren schlichtweg das Leben gerettet. Aufbewahrt in der Brusttasche, fing die kleine Mundharmonika die Kugel ab, die sonst unweigerlich tödlich getroffen hätte. Doch auch außerhalb des Globus' feierte die Mundharmonika Erfolge. 1965 schaffte es die „Little Lady“, Marke Hohner als erstes Musikinstrument ins Weltall. Obwohl die große Zeit der Harmonika-Instrumente in den 60er Jahren zu Ende ging, konnte sich Trossingen den Ruf als Hauptstadt der Mundharmonika bis heute bewahren. „Bei uns kann fast jedes Kind das eine oder andere Lied auf der Mundharmonika spielen“, erzählt Kathrin Gass, die nun die Führung übernimmt. Die Musikexpertin war 2001 Weltmeisterin auf ihrem Parade-Instrument und arbeitet seit 2002 als Dozentin am renommierten Hohner Konservatorium, das zur Ausbildung von Musikpädagogen dient. Angeblich, so sagt sie, kann der Grundstein in Sachen Mundharmonika in nur 45 Minuten erlernt werden.

Von 0 auf 100 – Mundharmonika-Spielen in 45 Minuten

Klar, als ehemalige Weltmeisterin verfügt sie über allerhand Selbstvertrauen. Doch was Kathrin Gass hier verspricht, halten selbst musikbegabte Zeitgenossen zunächst für ein wenig übertrieben. Die Stuttgarter Reisegruppe lässt es darauf ankommen. Bernd wird allmählich ein wenig nervös: „Das klingt ja alles kinderleicht. Aber mal ehrlich, was mache ich, wenn ich einfach völlig talentfrei bin und mich jetzt vor meinen Arbeitskollegen bis auf die Knochen blamiere?“. „Keine Sorge“, rät Mundharmonika-Expertin Gass. Und schon geht’s los. Nach einer kurzen Einweisung in die  Funktionsweise des vorliegenden Übungsinstruments, es handelt sich um eine „Speedy“, wird bereits gemeinsam die Tonleiter geübt. „Ziehen“ und „Blasen“, lauten die wichtigsten Kommandos, die Gass erst mündlich, später durch Fingerzeig vorgibt. Darüber hinaus muss das Instrument nach links oder rechts bewegt werden, um den gewünschten Ton zu erzeugen. Nachdem die Kursteilnehmer nach etwa 20 Minuten bereits zu „Fortgeschrittenen“ aufgestiegen sind, werden die ersten Stücke einstudiert. Zugegeben, mit „Alle meine Entchen“ oder „Taler, Taler Du musst wandern“, werden die Stuttgarter später keine Preise gewinnen. Aber nach 45 Minuten beherrschen sie tatsächlich vier einfache Stücke nahezu fehlerfrei! Bernd resümiert: „Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt. Noch nie habe ich meine Kollegen mit so roten Köpfen gesehen, wie zum Zeitpunkt, als jeder einzelne ,Alle meine Entchen' solo spielen sollte.“

Das Deutsche Harmonika Museum hat Dienstag bis Freitag, sowie an Sonn- und Feiertagen von 13.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Gruppenführungen und Mundharmonikakurse mit Dozentin Kathrin Gass sind jederzeit nach Vereinbarung möglich. Der Eintritt kostet ohne Führung und Kurs 3 Euro, Familien zahlen 7 Euro.

Weitere Informationen:

Donaubergland Marketing und Tourismus GmbH, Bahnhofstraße 123, 78532 Tuttlingen, Telefon +49 (0)7461/780 16 75, info@donaubergland.de, www.donaubergland.de

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